Datadriven Organisation: Raus aus den Enterprise Silos, diesmal wirklich! Oder?

Dank Data Science freie Informationsflüsse in Unternehmen? Man muss skeptisch bleiben ...

Das Motiv taucht in vielen Data Science-Blogs und Podcasts auf: Daten werden Unternehmenskulturen verändern, datadriven Unternehmen müssen sich entlang sinnvoller und effizienter Prozesse organisieren. Daten liefern neue Erkenntnisse und machen Zusammenhänge sichtbar – da stehen die Chance für Enterprise Silos schlecht. Daten befördern und erfordern neue und direkte Kommunikationswege, da kann Information nicht mehr von einem Experten den Abteilungssilo hinauf zu einem Vorgesetzten wandern, von dort zur nächsthöheren Hierarchieebene, die Kontakt zur Außenwelt – also zur Spitze des nächsten Silos – hat und die Information weitergibt, damit sie sich im Nachbarsilo wieder langsam ihren Weg nach unten bahnen kann um dann schließlich bei der Person zu landen, die sie auch verstehen und bearbeiten kann.

Das ist ein schönes Zukunftsszenario.

Allein: Diese Hoffnung hatten wir in den vergangenen zehn Jahren schon oft. Erst war es Enterprise 2.0, die Verknüpfung der Kommunikations- und Geschäftsprozesse des Unternehmens mit Kunden, Partnern und Lieferanten über Social Media (oder ursprünglich: Web 2.0) , die den Silos den Garaus machen sollte. Die Enterprise 2.0-Idee überlebte hauptsächlich auf Fachkonferenzen in kleinen Kreisen jener, die in großen Organisationen bescheidene Veränderungen erzielen konnten.
Die überwältigenden Erfolgsstorys blieben aus.
Das heißt: Sie wurden zwar erzählt, entpuppten sich auf den zweiten Blick dann aber recht schnell als als eher punktuelle Fortschritte.

Dann waren es Social Media selbst, die Organisationen verändern sollten. Sie sollten die interne Kommunikation revolutionieren (Social Intranets sind heute zwar selbstverständlich, haben aber eher bescheidene Wirkung), sie sollten Public Relations und Marketing verändern und durch die Beschleunigung der Informationsflüsse auch die Organisationen verändern. Das Tempo hat sich tatsächlich erhöht, die Auswirkungen auf die Organisation waren allerdings nicht die erwarteten. Statt transparenterer Informationsflüsse gibt es jetzt zusätzliche Social Media-Silos, die nur in seltenen glücklichen Fällen tatsächlich mit der Organisation zu tun hatten. In den meisten Fällen blieben es außen aufgepfropfte Spaß- oder Betroffenheitsfabriken abseits der eigentlichen Unternehmenskultur.

Schließlich war es Content, der alles verändern sollte. Durchaus als Folge von Enterprise 2.0, Social Media-orientierter Kommunikation und erhöhtem Tempo sollte die Notwendigkeit zu sinnvoller Contentproduktion helfen, starre Grenzen im Unternehmen aufzubrechen. Um sinnvollen Content zu produzieren, der für Kunden, Partner und Lieferanten nützlich ist, müssen Informationen schneller fließen, es dürfen keine nur Eitelkeiten oder Hierarchien geschuldeten Barrieren erhalten bleiben. Auch das ist eine schöne Idee – Informationsflüsse und Freigabeprozesse haben sich bei relevanten Themen allerdings auch nur minimal verändert.

Freie Fahrt für Daten und data literacy?

Jetzt sind es also Daten, die Organisationen revolutionieren sollen. Daten gibt es überall, den meisten Sinn machen sie, wenn sie vernetzt sind, Daten und data literate people sollten also befreiende Schneisen durch Organisationen schlagen können.Man muss skeptisch bleiben. Gegen große Veränderungserwartungen spricht die Erfahrung. Dafür spricht die Vielzahl an versprochenen Veränderungen, die einander in Summe dann doch verstärken sollten.

Trotzdem fühle ich mich jedes Mal, wenn hoffnungsfrohe Data Science-PodcasterInnen goldene Zeiten versprechen, ein wenig alt und weise …