Datenselbstverteidigung: Abschied von Google Analytics?

Wie man mit Alternativen bei Web Tracking und Marketing Analytics seine Cookies besser in den Griff bekommt und warum das wichtig ist.

Es steht 2:10. Und Sieger ist in diesem Fall der mit weniger Punkten. Google Analytics setzt bei einer einfachen Installation gleich mal 10 Cookies, Matomo (vormals Piwik) kommt als beste Alternative mit nur 2 Cookies aus – und das sind Cookies, die der eigene Server setzt, die also nicht mit Dritten geteilt werden und die Werbenetzwerken keine Möglichkeit geben, User quer durch das Netz zu verfolgen.

Ich habe die eigenen Seiten des gold super extra-Netzwerks in der vergangenen Tagen von Google Analytics auf Matomo umgestellt und werde das künftig auch Kunden empfehlen.

Matomo ist eine Analytics-Lösung, die mit bescheidenen Voraussetzungen auf einem eigenen Server installiert werden kann. Technisch braucht die Software nicht mehr als WordPress oder andere Redaktionssysteme (als php und eine Datenbank). Der Installationsvorgang ist auch ähnlich einfach wie bei WordPress, kann direkt über den Browser durchgeführt werden und braucht keinerlei Shell- oder Terminal-Anwenderkenntnisse.

Der Vorteil?

Die Zahl der gesetzten Cookies reduziert sich deutlich. Außerdem werden nur lokale Cookies gesetzt – keine Third Party Cookies, die langfristig auch wieder Probleme schaffen. Das lässt den Warnhinweis beim Setzen von Cookies gleich deutlich freundlicher aussehen (sofern User sich das ansehen); es wäre sogar möglich, beim Tracken mit Matomo ganz auf Cookies zu verzichten.

Und natürlich ist Google verlockend, das Interface ist gelernt, die Integrationsmöglichkeiten bieten viel und Berichte über Data Studio sind eine tolle und einfache Erweiterungsmöglichkeit – aber der Cookie-Imperialismus hat durchaus auch etwas Unverschämtes. Mit einer einfachen Analytics-Installation werden nicht nur die für die Analyse notwendigen Cookies gesetzt, es wird auch noch gleich vorsorglich eine Werbeinfrastruktur mit angelegt. Zusätzlich zu den Analyse-Cookies platziert auch Youtube Tracking-Elemente bei den Usern, der Werbevermarkter Doubleclick wird auch gleich mitversorgt und auch der Social Sharing-Dienst ShareThis platziert dann gleich seine Cookies. Das ist doch etwas mehr als angemessen wäre.

Wie findet man heraus, welche und wieviele Cookies die eigene Webseite setzt? Cookiescanner wie cookieserve geben hier schnell Auskunft.

Es macht durchaus Sinn, über die eigenen Cookies bescheid zu wissen und sie auch kontrollieren zu können – noyb mit Max Schrems hat eben erst angekündigt, gegen unübersichtliche Cookie-Zustimmungsbanner und erschwindelte Cookie-Zustimmungen vorgehen zu wollen. Im Visier hat noyb zwar die “meistbesuchten Websites in Europa”, aber solche Initiativen ziehen ja auch Trittbrettfahrer mit sich …

Matomo als Alternative bietet auch Dashboards mit Widgets, die die wichtigsten Informationen getrackter Seiten wie gewünscht zusammenfassen; die ECommerce-Berichte sind sogar um einiges aussagekräftiger als die von Google Analytics. Und mit ein paar kleinen Tricks und Umwegen, wenn es denn sein soll, können auch Daten aus Matomo (und anderen Quellen) in Google Data Studio integriert werden – ohne Google dabei unerwünschte Einblicke zu bieten.

Wenn jetzt jemand über einen Umstieg von Google Analytics auf Matomo reden möchte – wir haben auf allen Kanälen ein offenes Ohr … (hier geht es zur Kontaktseite).