Neo4j Aura – endlich eine Graph-Datenbank als Cloudservice

Die großen Graph-Datenbanken liefen bislang nur lokal – das war die größte Hürde, wenn man sie einsetzen wollte. Man konnte nie schnell und unkompliziert etwas herzeigen. Mit Neo4j Aura free gibts jetzt endlich eine kleine Lösung ...

Graph-Datenbanken sind grundsätzlich eine tolle Sache. Manchmal muss man einen großen Knoten im Kopf loswerden, um von relationalen in Tabellen organisierten Datenbanken umsteigen zu können, aber wenn es darum geht, Verbindungen abzufragen und Netzwerke nachzuzeichnen, ist der Graph den Tabellen um Längen voraus. Netzwerkorientierte Abfragen sind in Graph-Datenbanken Sinn der Sache, in relationalen Datenbanken dagegen muss man sich oft erst mal hinsetzen und einen halben Tag darüber nachdenken, um das umzusetzen, was mit Graph-Datenbanken eine eineinhalbzeilige Query aus dem Lehrbuch ist. Graph-Datenbanken sehen besser aus, machen mehr Spaß – aber sie haben den Nachteil, dass sie weniger weit verbreitet sind. MySQL-Hosting gibt es an jeder Straßenecke*.

Neo4j dagegen läuft halt nur lokal – oder es kostet richtig viel Geld. Das ist lästig, weil man Projekte dann nicht herzeigen kann und nicht im Team bearbeiten kann. Neo4j als sehr wachstumsorientierter Graph-Datenbankanbieter hat das offenbar erkannt. Mit Aura gibt es Neo4j jetzt endlich auch als cloudbasiertes Service. Die Kosten können auch hier schnell enorm werden, aber mit Aura Free gibt es auch eine ziemlich streng eingeschränkte tatsächlich kostenlose Version, mit der Datenbanken ins Netz verlagert werden können.

Aura erlaubt die Migration aus lokalen Neo4j-Installationen, Datenbanken können auch aus cypher-queries oder über Importe aufgebaut werden. CSV-Importe sind im übrigen nicht so gut dokumentiert; es gibt keinen Import-Folder wie bei der lokalen Version – das ist allerdings kein Nachteil: Jede über das Netz aufrufbare csv-Quelle kann importiert werden (nur verrät das die Dokumentation suchenden Usern gar nicht so). Die Datenbank kann über den Neo4j-Browser oder über Bloom aufgerufen werden – man hat also entweder den direkten Zugang, in dem man cypher Queries schreiben kann, oder das grafische Userinterface, in dem Abfragen zusammengeklickt werden können.

Der einzige Wermutstropfen: Es gibt nur einen Benutzer und keine Benutzerverwaltung. Auch die Bloom-Variante, die ja eigentlich für Publikation gedacht wäre, ist also nicht ohne Passwort zugänglich. Das ist schade, man kann auch keine Preview-Links erzeugen und an Mitarbeiter, Kunden oder Kritiker schicken, ohne ihnen das Passwort mitzuschicken – mit dem sie dann gleich alles kaputtmachen können.

Ich habe trotzdem mein Wissenschaftliche Zeitschriften des 18 Jahrhunderts-Projekt auch auf Aura portiert; zur Zeit kann ich aber nur Screenshots davon teilen. Dafür gibt es in der SQL-Version Updates – dazu erzähle ich ein anderes Mal mehr. Aber es hat einmal mehr damit zu tun, dass für SQL-Datenbanken zur Zeit eben noch mehr Tools und Spaces zur Verfügung stehen.

Und die Funktionen von Neo4j Bloom als visuelles Tool zur Befragung von Datenbanken sind auch recht schlecht dokumentiert (das gilt aber auch für die Desktop-Version). Dazu schreibe ich in den nächsten Tagen noch was.

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*Aber Vorsicht vor Google Cloud SQL und ähnlichen Services: Ohne es zu merken bestellt man da schnell mal hochverfügbare superperformante Datenbanken und zahlt dann statt der erwarteten 5 € schlappe 500 € im Monat … Aber bei der Rückabwicklung ist Google dann sehr kulant; das dürfte wohl  öfter passieren.